Das alte Smartphone hat einen großen Kratzer auf dem Display? Es ist zu langsam geworden oder es gibt kein Update auf ein aktuelles Betriebssystem mehr? Dann eignet sich das Gerät immer noch perfekt für viele alternative Einsatzmöglichkeiten. Ich stelle euch die 5 besten und sinnvollsten Möglichkeiten vor.

Es ist jedesmal das gleiche Spiel: Kaum hat man das neue Smartphone in den Händen, wandert das Alte tief in den Schrank zu den anderen ausgemusterten Modellen – .so sah es zumindest bei mir aus. Aber das muss nicht sein, denn auch die “Alten” haben noch jede Menge Power und können sinnvoll weiterverwendet werden. Wäre doch schade, wenn wir dieses Potenzial nicht nutzen würden ;-)

Die zweite Chance: Alte Smartphones sinnvoll nutzen

Alle vorgestellten Tools laufen übrigens ausnahmslos auch auf älteren Geräten, ich habe sie alle mit dem Samsung GALAXY S, S II und S III getestet – also schenkt auch euren alten Smartphones ein neues Leben. ;-) Vorausgesetzt ist natürlich, dass das Smartphone 24/7 an der Steckdose hängt – aber bei dem geringen Stromverbrauch sollte das im Kosten / Nutzen-Verhältnis kein Problem sein.

Jedes Tool setzt außerdem eine Internetverbindung voraus, so dass natürlich auch eine aktivierte und gültige SIM-Karte eingelegt sein muss, sofern kein WLAN zur Verfügung steht. Wird das Smartphone in den eigenen vier Wänden und innerhalb eines WLAN-Netzes genutzt, benötigt ihr keine aktivierte SIM-Karte (außer für den Diebstahlschutz).

Das Smartphone als…

FTP-Server

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In wohl fast jedem Haushalt gibt es mittlerweile mehrere Notebooks, Tablets, Smartphones oder andere täglich genutzte Geräte. Um die wichtigsten Daten auf allen Geräten synchron zu halten, kann man entweder auf die Cloud setzen oder aber sich einen eigenen Server einrichten, der alle Daten zum Abruf bereit hält. Die App FTP-Server ermöglicht dies in wenigen Sekunden.

Ladet die App aus dem Play Store herunter und startet sie auf dem Smartphone. Danach ist nur noch ein weiterer Klick auf den kleinen Power-Button in der App nötig und schon kann es losgehen. Die App zeigt nun eine IP-Adresse in der Form “ftp://10.0.0.1:2221″ an, die ihr einfach auf eurem Notebook oder anderem Gerät im Netzwerk eingebt – und schon greift ihr auf die Daten des Smartphones zu.

ftp-server

Die App bietet noch einige Einstellungsmöglichkeiten, wie etwa das Anlegen eines Passworts für den Zugriff auf den “Server” oder das Ändern des Start-Verzeichnisses, aber dies ist in den meisten Fällen nicht nötig. Wer sein WLAN-Netzwerk per Passwort gesichert hat, stellt ohnehin sicher, dass niemand unbefugt auf die Daten des Smartphones zugreifen kann.

Die einzige Voraussetzung zur Einrichtung eines eigenen Servers ist es, dass alle Geräte auf das gleiche WLAN-Netzwerk zugreifen, das dürfte aber wohl in 99% der Haushalte der Fall sein. Ich empfehle euch dennoch, alle wichtigen Daten auf einem weiteren Gerät zu speichern, da – falls das Smartphone sich eines Tages verabschiedet – sonst alles weg wäre.

» FTP-Server im Play Store

Streamingbox

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Mit der App Bubble UPnP kann das Smartphone in einen Mediaserver verwandelt werden, auf den mit allen modernen Geräten zugegriffen werden kann. Nach der Installation stehen alle auf dem Smartphone gespeicherten Filme, Fotos & MP3s im WLAN-Netzwerk zur Verfügung und können von dort auf dem Notebook, einem Tablet oder auch auf einem Smart TV abgerufen werden.

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Auch in der Cloud gespeicherte mediale Inhalte können über die App in das WLAN-Netzwerk gestreamt werden: Es können MP3s aus Google Music, Dateien aus dem Google Drive und Inhalte aus dem Microsoft SkyDrive und DropBox dynamisch heruntergeladen werden. Gerade in Zeiten, wo Filme und Musik nicht mehr unbedingt auf einer CD / DVD / Blu-Ray gekauft werden, bleibt man so dennoch flexibel.

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Anders herum kann die App auch auf alle anderen Geräte im Netzwerk zugreifen und z.B. auch geteilte Inhalte des Smart TVs oder Notebooks anzeigen, ohne die Geräte direkt miteinander verbinden zu müssen. Einen günstigeren und simpleren Mediaserver als das alte Smartphone wird man wohl kaum finden können – die App machts möglich.
» Bubble UPnP im Play Store

Alarmanlage

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Eine zuverlässige Alarmanlage mit Internetanschluss hat einen sehr hohen Anschaffungspreis und laufende Kosten, praktisch also, dass wir noch eine im Schrank liegen haben. Mit der App Alarm System (1 Euro) verwandelt ihr das alte Smartphone in eine sehr gute und praktisch unsichtbare Alarmanlage. Ob nun überwacht werden soll, ob jemand im eigenen Zimmer war oder tatsächlich vor einem Einbruch in die Wohnung gewarnt werden soll – die App macht es ganz einfach.

Die App läuft im Hintergrund und nutzt die diversen Sensoren eines Smartphones zur Erkennung von (unbefugten) Aktivitäten bzw. Personen. Vor der Scharfschaltung kann eingestellt werden, welche Sensoren aktiv überwacht werden und eine automatisierte Aktion auslösen sollen. Mit einem weiteren Klick auf den roten Button wird diese dann scharf geschaltet und die Alarmanlage ist aktiv.
Folgende Ereignisse können den Alarm auslösen:
- Movement: Schlägt an, wenn das Smartphone bewegt wird
- Proximity: Schlägt an, wenn etwas über das Smartphone gelegt oder heruntergenommen wird
- Unplug: Schlägt an, wenn das Ladekabel herausgezogen wird
- Unlock: Schlägt an, wenn das Smartphone entsperrt wird
- Nose: Schlägt bei lauteren Geräuschen an
- Camera: Schlägt an, wenn sich etwas vor der Kamera bewegt

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Wird ein Ereignis ausgelöst, kann das Smartphone entweder selbst als Alarmanlage fungieren und mit einer Sirene anschlagen oder auch den Besitzer darüber informieren. Dazu kann die App eine E-Mail oder SMS verschicken oder auch einen Anruf auslösen. Zusätzlich kann ein Foto mitgeschickt werden bzw. der Besitzer durch den Anruf hören, was im überwachten Raum passiert.
» Alarm System

Überwachungskamera

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Mit der App IP Webcam kann das Smartphone entweder als Webcam oder auch als Überwachungskamera genutzt werden. Nach dem Start der App können gleich einzelne Qualitätsoptionen eingestellt werden, wobei die Voreinstellungen relativ gut sind und für den Anfang nicht verändert werden sollten und die Überwachung mit “Start Server” begonnen wird.

ip webcam

Die App streamt nun das Kamerabild in das WLAN-Netzwerk, innerhalb dessen es mit jedem beliebigen Gerät aufgerufen werden kann. Am unteren Bildschirmrand wird eine IP-Adresse in der Form “http://10.0.0.1:8080″ angezeigt, die dann am Notebook eingegeben werden kann. Im Browser stehen nun verschiedene Möglichkeit für den Zugriff zur Verfügung, wobei die Option “Use javascript to update frames in browser” am besten geeignet ist.

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Nun erscheint im Browser ein Live-Bild der Kamera und es kann optional auch das Mikrofon abgehört werden. Mit einem Klick auf “Open camera controls” kann das Bild fokussiert oder die Kamera-LED eingeschaltet werden. Wer mehrere Smartphones in Reserve hat, kann auch mehrere Kameras betreiben – jede bekommt ihre eigene Adresse im Netzwerk und kann einzeln angesehen und gesteuert werden.
» IP Webcam

Diebstahlschutz

Das Smartphone kann auch als mobiler Diebstahlschutz genutzt werden: Ich habe euch in der Vergangenheit bereits die Apps Avast Anti-Diebstahl und Samsung Find my Mobilevorgestellt, diese machen wir uns nun zu Nutze: Installiert die Apps auf ein altes Smartphone und gebt dieses in euren Rucksack, Koffer oder legt es dauerhaft als Diebstahlschutz in das Auto. Natürlich benötigt ihr dafür eine mobile Datenverbindung, und damit auch eine SIM-Karte im Smartphone.

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Sollte nun, was wir natürlich nicht hoffen, etwas gestohlen werden, ist das Smartphone unweigerlich mit dabei. Mit Hilfe der Apps kann dieses nun per GPS gefunden werden und ihr bekommt eure Sachen hoffentlich bald wieder zurück.

Weitere Möglichkeiten

Ein altes Smartphone oder Tablet kann mit einer der hunderten verfügbaren Galerie-Apps im Play Store auch als digitaler Bilderrahmen verwenden. Wer bereits ein Smartphone mit Infrarot-Anschluss, wie etwa das GALAXY S4, auf das alte Eisen geschoben hat kann es auch als Universal-Fernbedienung einsetzen. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt.