Wie „digifit“ ist Österreich?

09. Dezember 2015

Beim Samsung Talk „Digitale Bildung – Unterricht erleben“ diskutierten PolitikerInnen und LehrerInnen mit Wirtschaft und Wissenschaft über die Vorteile und Chancen digitaler Bildung an Österreichs Schulen. Schüler aus Pilotklassen in Volksschulen, Mittelschulen und Gymnasien sprachen über ihre Erfahrungen.

Wie „digifit“ ist Österreich?

(v.l.n.r.) Walter Emberger, Teach for Austria | Heidrun Strohmeyer, BMBF | Matthias Strolz, NEOS | Martina Friedl, Samsung Electronics Austria | Peter Kraus, Die Grünen | Wien Heinz Vettermann, SP Wien | Stefan Schmid, Lehrer

Wien, 9. Dezember 2015 - Die Digitalisierung bewegt Österreichs Bildung. Welche Ausbildungen brauchen die Kinder und Jugendlichen heute in einem zukünftig stärker von Technologien geprägten Umfeld? Wie können Tablets, Apps und das Internet zu einer stärkeren individualisierten Bildung beitragen? All diesen Fragen widmeten sich Gäste aus Bildung, Politik und Wirtschaft beim Samsung Dialog „Digitale Bildung – Unterricht erleben.“

Videobericht: https://youtu.be/M7dFn07mKFk
Druckfähiges Bildmaterial: http://s.samsung.at/img_digitalebildung

Gestartet wurde mit einer hochkarätigen Podiumsdiskussion mit NEOS-Vorsitzendem Matthias Strolz, dem Bildungssprecher der SPÖ Wien Heinz Vettermann, dem Jugendsprecher der Grünen Wien Peter Kraus, der Bereichsleiterin für IT im Bundesministerium für Bildung und Frauen Heidrun Strohmeyer, dem Geschäftsführer von Teach For Austria Walter Emberger, dem innovativen Lehrer Stefan Schmid und der Smart School-Expertin von Samsung Electronics Martina Friedl.

Für Walter Emberger von Teach for Austria ist in Österreich noch viel zu tun. „Wir hinken bei internationalen Rankings hinterher, in Europa sind wir Mittelmaß. Das ist nicht der Anspruch, den ich mir wünsche. Aufgabe der Politik ist es, die notwendige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und die Lehrkräfte auszubilden. Die Digitalisierung ist eine große Chance für unser Land, das wird aber nicht von selber passieren. Wir brauchen gleichen Zugang zu Informationsquellen an allen Schulen, besser ausgebildete Vortragende und einen individualisierten Unterricht.“

Dabei ist für Matthias Strolz von den Neos die Bildungsreform nicht der große Sprung: „Die Bildungsreform ist nicht das, was wir wollen. Hie und da finden sich gute Ansätze wie mehr Fokus auf Elementarpädagogik, aber am Ende ist es doch ein Kompromisspapier geworden. Wir geben viel zu wenig Geld für unsere Kinder am Anfang ihrer Bildungszeit aus, die digitale Bildung spielt nur eine geringe Rolle, finanzielle und personelle Schulautonomie gibt es nicht.“

Heidrun Strohmeyer vom Bildungsministerium widerspricht: „Unser Ziel ist klar: Kein Kind darf die Schule ohne digitale Kompetenz verlassen. Dabei setzen wir auf die Know How-Weitergabe an andere Schulen durch sogenannte fortgeschrittene Schulen, Peer Learning bei der Lehrerweiterbildung, E-Learning als Unterrichtsprinzip und Medienbildung als Teil der Fächerbildung. Wir wollen die Lehrer stärker dazu bringen, digitale Kompetenzen fächerübergreifend zu vermitteln. Mit dem Digicheck sehen wir, was die Lehrer dazu benötigen und bieten ihnen dafür ein entsprechendes Weiterbildungsangebot an.“

Für Wien bedeutet die Bildungsreform eine Beschränkung der Modellregion auf 15 Prozent. SPÖ Wien Bildungssprecher Vettermann: „Es ist klar, dass wir ganz Wien zu einer Modellregion der gemeinsamen Schule machen wollen. Wir werden aber die Möglichkeiten nutzen und rasch in die Umsetzung gehen. Zusätzlich kommt die Umsetzung von WLAN fix in allen Wiener Schulen.“

Auch Peter Kraus von den Wiener Grünen findet es widersinnig, Modellregionen zu beschränken. In der digitalen Schule sieht er große Vorteile hinsichtlich besserer Jobperspektiven: „Schon jetzt herrscht ein Fachkräftemangel in der IT-Branche. 2020 fehlen laut Berechnungen bereits 900.000 IT Fachkräfte in ganz Europa, während durch die Technologisierung bestehende Arbeitsplätze verloren gehen. Was es dabei braucht, sind aber keine Fachkräfte, die die Maschinen bedienen, sondern Fachkräfte, die innovativ sein können, Gedachtes umsetzen oder verbessert programmieren können. Die Jungen müssen zu innovativen und kritischen Menschen heranwachsen.“
Matthias Strolz dazu: „In Großbritannien lernen die Schüler Programmierung bereits in der Volksschule, in Finnland kommt das nächstes Jahr. Ich glaube jedenfalls, dass das in den Fächerkanon gehört. Die Politik ist gefordert, den Rahmen zu setzen, die Ziele festzulegen und für eine stärkere Finanzierung zu sorgen. Derzeit sind wir nicht vorne dabei. Um die Herausforderungen zu bekämpfen, die wir haben, müssen wir zum Frontrunner der digitalen Bildung werden.“

Lehrer Stefan Schmid, der seinen Unterricht auf mehr digitalen Content umgestellt hat, über seine Erfahrungen: „Mir wurde klar, so wie ich in der HAS in Simmering unterrichtete, kann das nicht passen. Deshalb habe ich mich gefragt, was kann ich tun, was kann ich ändern. Eine Gleichschrittspädagogik ist nicht mehr zeitgemäß. Klassen sind heute heterogen, jedes Kind hat unterschiedliche Bedürfnisse. Derzeit geht die meiste Zeit der Lehrer mit dem Erklären drauf, wir haben wenig Zeit zum praktischen Üben. Deshalb erkläre ich meine Lehrinhalte mit Videos. Statt der Hausübung müssen die Schüler das Video anschauen und in der Stunde üben wir dann. Ein Vorteil des Videos ist auch, dass sich Schüler die Erklärung wiederholt anschauen können. Es ist so einfach heute, Videos zu machen, oder interaktive Apps zu nutzen, die motivieren. Man muss es einfach nur tun.“

Martina Friedl von Samsung Electronics: „In Korea hat Bildung einen sehr hohen Stellenwert. Es liegt auf der Hand digitale Bildung als IT-Konzern voranzutreiben. Je früher die Kinder und Jugendliche anfangen schon im Schulbereich eine fundierte Ausbildung zu bekommen und Content zu entwickeln und zu produzieren und nicht nur zu konsumieren, desto eher haben sie später die Chance als Fachkraft erfolgreich zu sein. Wir unterstützen hier gerne mit der technischen Hardware und bieten Vernetzungstreffen wie heute beim Samsung Talk an, um durch Austausch die Innovationskraft zu fördern.“

Was bereits in der Praxis an Österreichs Schulen geschieht, zeigte Samsung den Gästen am Nachmittag. Seit drei Jahren arbeitet Samsung mit österreichischen Pilotklassen zusammen, um das digitale Angebot attraktiver zu machen. Zu sehen gab es Videos, die den Unterricht erklären, interaktive Spiele um rechnen zu lernen oder sich mit dem Thema Mobbing auseinanderzusetzen, Quizzes, die motivierend das Erlernte abfragen. Die Aufgaben holen sich die Schüler mittels QR Codes. Samsung unterstützt hier bei der Ausrüstung mit Hardware.

Wo sich alle Gäste einig waren: Die digitalisierte Welt wird in allen Lebensbereichen normal für uns werden und sich auch in der Bildungslandschaft als selbstverständlich etablieren.

Noch mehr Infos unter: www.digitalebildung.at