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«Smart Classroom» — Teil 2: Parlez-vous digital?

«Smart Classroom» — Teil 2: Parlez-vous digital?

Von Manuel,  05.09.2016.


Seit einem Jahr unterstützt Samsung die Schüler der Gemeinde Sigriswil mit Tablets. Im zweiten Teil unserer Serie erfahren wir, wie die neue Technologie den Unterricht der Primarschüler prägt.


Es herrscht reges Treiben auf dem Pausenplatz des Schulhauses Merligen. Trotz des regnerischen Wetters sind die Schüler in der grossen Pause nach draussen geströmt. Im ersten Stock des Gebäudes steht Christina Grütter in ihrem Klassenzimmer und bereitet sich auf die bevorstehende Lektion vor.


Seit 1985 unterrichtet die Pädagogin in der Gemeinde Sigriswil. Seither hat sie viele Veränderungen erlebt: mitunter die Digitalisierung von Schule und Gesellschaft. «Ich war nie eine technikbegeisterte Person und konnte am Computer nur das Nötigste», erzählt Grütter. Als sie hörte, dass ihre Schule Samsung Tablets für den Unterricht erhält, stand ihr Entschluss von Beginn weg fest: «Ich will die neue Technologie verstehen und pädagogisch sinnvoll anwenden können.»

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Inhalte statt Vokabeln

Schrill signalisiert die Glocke das Ende der grossen Pause. Die Schüler nehmen ihre Plätze ein. Die Lektion startet mit einem Input der Lehrerin. Das Thema: Christoph Kolumbus. Kaum ist die Einführung zu Ende, holen die Kinder die säuberlich verstauten Tablets hervor. Durch Einscannen eines sogenannten QR-Codes, eine Grafik, worüber Smartphones und Tablets digitale Inhalte abrufen können, erhalten sie Aufgaben zum aktuellen Thema. Auf dem Tablet stehen ihnen nun Texte, Vokabeln und eine Karte zur Verfügung. So können sie die Wege des Seefahrers nachvollziehen und erfahren wissenswerte Fakten rund um die Reise des grossen Entdeckers.


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«Die Art zu lernen hat sich verändert», erklärt Grütter. Früher wurden repetitiv Vokabeln und Grammatik gebüffelt, heute geht es um Inhalte. Die neuen Geräte und Lehrmittel erlauben uns tiefer in die Sprache einzutauchen und diese – vergleichbar mit dem Erlernen der Muttersprache – zu festigen.»


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Die Schüler sitzen konzentriert an ihren Plätzen. «Mit einem Hörspiel erfahren die Kinder dass Wichtigste über die erste Reise von Kolumbus», erzählt die Lehrerin. In kleinen Gruppen lernen sie die Personen und die Situation auf den drei Schiffen des Seefahrers kennen. Nach gut zehn Minuten werden die Tablets wieder zur Seite gelegt und Grütter überprüft mit Fragen, was die Schüler verstanden haben.


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«Früher schaute man vieles zusammen in der Klasse an. Jedes Kind musste ein paar Sätze vorlesen, während der Rest der Klasse wartete», so Grütter. «Heute ist das Lernen viel individueller. Jeder Schüler kann Aufgaben an seinem Tablet erledigen. Wer schnell ist, kann zur nächsten Aufgabe übergehen, ohne dass langsamere Mitschüler überfordert werden. Dies ermöglicht ein Erfolgserlebnis für alle.»

Rollentausch im Klassenzimmer

«In manchen Belangen beherrschen die Kinder den Umgang mit Tablets besser als ich. Sie erklären mir immer wieder neue Kniffe», gesteht die Pädagogin mit einem Schmunzeln. Der 11-jährige Jan befasst sich daneben gerade vertieft mit einer der Rollen aus dem Hörspiel. «Ich höre mir den Text mehrmals an und versuche diesen dann nachzusprechen», erklärt der Fünftklässler. «Mit dem Tablet kann ich eine Aufnahme davon machen und mit dem Original vergleichen.»


Nick, der eine Reihe weiter sitzt, lernt mit Hilfe von digitalen Wortkarten, sogenannten Flash-Cards, Vokabeln. «Ich arbeite gerne mit den Tablets und das Französischlernen fällt mir leichter.»

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Der 11-jährige Andrin ist kein Elektronikfan. «Ich verbringe meine Freizeit lieber draussen als zu Hause am Bildschirm.» Trotzdem kann auch er den Tablets etwas Positives abgewinnen. «Ich komme gut zurecht damit und das Lernen ist etwas leichter.»


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Trotz mehrheitlicher Begeisterung der Kinder besteht Christina Grütter auf einem gut dosierten Einsatz der Geräte: «Man kann nicht alles an eine Maschine delegieren», erklärt die Pädagogin. «Fürs Lernen braucht es Menschen und Beziehungen.» Wie lautet also ihr ehrliches Fazit nach einem Jahr? «Die Technik hat meine Arbeit enorm erleichtert und ich bin stolz und froh, dass ich keine digitale Analphabetin mehr bin».


Wie einer Klasse mit Tablets spielerisch die Grundlagen des Programmierens beigebracht werden, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe.