Produktivität / Leben

Wenn Kinderbetreuung und Homeoffice aufeinandertreffen: Philip​

Drei Familienväter, welche momentan Kinderbetreuung und Homeoffice vereinen müssen, haben uns Einsicht in ihr kopfüber stehendes Leben gegeben.

Kleinkind sucht ein Bilderbuch aus

Wie Philip seinen fordernden Job trotz Kinderbetreuung im Homeoffice bewältigt und was ihm in dieser Zeit am meisten hilft, erzählt er uns im Interview.

Philip, wie sieht die Situation Kinderbetreuung im Homeoffice bei dir aus?

Ich leite aus dem Homeoffice ein Team von vier Personen und teile mir die Betreuung unserer zwei Kinder mit meiner Partnerin auf. Das ältere Kind wird im Mai drei Jahre alt, das kleinere wird im Juni ein Jahr alt.

Wie ist das Homeoffice heute, verglichen mit der ersten Woche?

Wir sind jetzt in der dritten Woche Homeoffice. Mit Mobile-Working arbeiten wir schon lange, und da konnten wir immer wieder vereinzelt Tage austesten. Sagen wir es so, seit dem zweiten Kind bin ich nicht mehr so der Mobile-Working-/Homeoffice-Fan, denn ein Kind schreit immer. Einen Tagesablauf für meine Arbeit zu finden, fiel mir nicht sonderlich schwer, aber man musste sich als Familie neu finden. Man muss schauen, dass man zum Beispiel gemeinsam Frühstück isst und auch am Abend nach der Arbeit einen gemeinsamen Tagesablauf hat.

«Ich verstehe, wenn das jemand ohne Kinder nicht nachvollziehen kann und sich aufregt.»

Konntet ihr einen fixen Tagesablauf umsetzen?

Wir haben uns seit der Geburt unseres zweiten Kindes so organisiert, dass wir getrennt schlafen und ich so beim einen und meine Partnerin beim anderen Kind schläft. So sind nicht gleich beide wach, wenn eines der Kinder nach uns schreit.

Einen fixen Tagesablauf kann man mit Kindern nicht haben. Auch Kinder sind Menschen und haben mal schlechte Laune, und dann läuft nichts wie geplant. Da muss man flexibel sein und umplanen. Sich darüber wahnsinnig zu machen, was die anderen denken, wenn das Kind im Hintergrund eines Calls schreit, bringt nichts. Die meisten Mitarbeiter haben Verständnis für Eltern im Homeoffice. Ich verstehe aber, wenn das jemand ohne Kinder nicht nachvollziehen kann und sich aufregt. Kümmern tut es und darf es mich nicht.

«Die Kinder wissen, dass in diesem Zimmer gearbeitet wird. Da wird nicht plötzlich herumgerannt oder gespielt.»

Gab es Sachen, die du unterschätzt hast in Bezug auf das Homeoffice?

Ich weiß, dass mein Job sehr fordernd ist, und da wusste ich, dass das Homeoffice mit Kinderbetreuung nicht einfach wird. Die grösste Herausforderung lag bei mir darin, um 18 Uhr wirklich Feierabend zu machen. Auch dass man immer wieder aus der Arbeit gerissen wird, ist eine Umstellung, an die man sich gewöhnen muss. Mir hilft es, dass meine Partnerin und ich uns oft zwischen den Kindern aufteilen, und dass ich ein abgetrenntes Arbeitszimmer habe. Die Kinder wissen, dass in diesem Zimmer gearbeitet wird. Da wird nicht plötzlich herumgerannt oder gespielt. Manchmal setzt sich meine Tochter an die Tastatur meiner Partnerin und tut so, als würde sie ganz beschäftigt mit mir arbeiten.

Gibt es die Lösung, wenn die Kinder mal außer Kontrolle geraten?

Vor allem, wenn meine Partnerin mal außer Haus muss, und ich gleichzeitig einen Call habe, können die Kinder auf Netflix Kinder-Serien schauen. Wenn das heißt, dass ich weniger gestresst bin und konzentriert arbeiten kann, sehe ich dabei nichts Verwerfliches.

Wie gehen die Kinder mit der Situation um?

Die Kinder wissen, wer von uns Eltern wann arbeitet. Wie schon gesagt, hilft es, dass wir ihnen klar kommuniziert haben, dass im Arbeitszimmer gearbeitet wird.

Was ist dein Tipp für alle Eltern in dieser Situation?

Kinder sind keine Maschinen. Sie werden auch mal schlechte Tage haben und zum Beispiel in einen Call schreien. Da muss man einen kühlen Kopf bewahren und sich bewusst sein, dass man in dem Moment nicht ändern kann, ob sich eine/-r aufregt im Call.

Wichtig finde ich auch, Momente mit dem Partner zu schaffen.

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