Projekt Pontis: Mit dem Hirn einen TV steuern

Von Samsung, 22.05.2018

Im Bild Martin Biallas, Senior researcher: Lötarbeiten an BCI-Elektronik.
Im Bild Martin Biallas, Senior researcher: Konfigurieren der Elektroden in der BCI Kappe.
Im Bild Martin Biallas, Senior researcher: Überprüfung der auf dem Samsung Fernseher dargestellten Stimulationsfrequenzen.
Beat Bösch Schweizer Paralympics-Athlet und Tester der Fernsehsteuerung mit angelegter BCI Kappe.
Beat Bösch Schweizer Paralympics-Athlet und Tester der Fernsehsteuerung mit angelegter BCI Kappe.
Beat Bösch Schweizer Paralympics-Athlet und Tester der Fernsehsteuerung mit angelegter BCI Kappe.

Wie kann die Schnittstelle zwischen Menschen mit einer Einschränkung und Maschinen genutzt werden? Samsung macht das Undenkbare möglich.


Auf diesen Moment wurde intensiv hingearbeitet: In einem Therapieraum des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) in Nottwil stehen Therapeuten des SPZ, die Projektleiter von Samsung Schweiz und Forscher der Hochschule Luzern (HSLU) gebannt um einen Probanden, dessen Gehirn via Sensoren mit einem Fernseher verbunden ist. Seit Monaten hatte man gemeinsam einen Prototyp entwickelt, der mit BCI (Brain Computer Interface) eine einfache Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine schafft. Ein Filmteam hat das Schweizer Innovationsprojekt Pontis begleitet und dokumentiert – von der ersten Vision bis zum anwendbaren Prototypen.

Projekt Pontis: Mit dem Hirn einen TV steuern

«Lebensqualität und Unabhängigkeit zurückgeben»

Im Interview verrät Bart de Kimpe, Ergotherapeut und Leiter Therapien im Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil, welche Bedeutung der technische Fortschritt für den Alltag seiner Patienten hat.

Wie haben neue Technologien Ihre Arbeit verändert?

De Kimpe: Unsere Patienten haben trotz teils hoher Querschnittlähmung den Anspruch selbstständig kommunizieren zu können. Da sind wir Spezialisten gefragt auch technisch ständig am Ball zu bleiben, um ihnen die Kommunikation, die Selbstständigkeit und die Privatsphäre zu ermöglichen, die sie sich wünschen. Die Digitalisierung hat enorm positive Auswirkungen auf unsere Arbeit. Vom einfachen Vergrössern von Text über das Vorlesen von Internetseiten bis zur Bedienung über einen Sprachassistenten: Vieles, wofür früher teure und hochkomplexe Spezialgeräte nötig waren, kann heutzutage einfach via Smartphone und entsprechender App erledigt werden.

Wo zeigt sich der technische Fortschritt am eindrücklichsten?

Bis vor wenigen Jahren mussten sich gelähmte Patienten ihre Mails oder SMS von Angehörigen oder einer Pflegeperson vorlesen und beantworten lassen. Dies hatte die für die Patienten unangenehme Konsequenz gänzlich auf ihre Privatsphäre in der Kommunikation verzichten zu müssen. Dank neuer Technologien kann eine Person nun selber entscheiden was sie schreibt, liest oder mit wem sie chattet. Sprich viele Patienten können ihre Kommunikation mit der Aussenwelt trotz starker Einschränkung selbstständig fortsetzen.

Sie waren beim Projekt Pontis involviert und haben die erfolgreiche Anwendung des Prototyps mitverfolgt. Welche Möglichkeiten versprechen Sie sich durch den Einsatz der BCI-Technologie?

Wie gesagt konnten wir mit Hilfe von diverser Hard- und Software bereits vielen Patienten ein Stück Lebensqualität zurückgeben. Nach wie vor unzureichend bis inexistent sind funktionierende Lösungen für Menschen mit einem Locked-In-Syndrom, der höchsten Form einer Querschnittlähmung. Der Zugang zu solchen Patienten ist enorm herausfordernd. Die im Projekt Pontis angewandte BCI-Technologie schafft eine Schnittstelle, die Hirnströme in eindeutig identifizierbare Befehle umwandelt. Dies könnte das noch fehlende Instrument sein, welches das Leben von Locked-Inn-Patienten grundlegend verändern wird.

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