Produktivität / Leben

Wenn Kinderbetreuung und Homeoffice aufeinandertreffen: Thomas

Drei Familienväter, welche momentan Kinderbetreuung und Homeoffice vereinen müssen, haben uns Einsicht in ihr kopf überstehendes Leben gegeben.

Kind beim Malen mit Wasserfarben am Tisch.

Von selber gebastelten Stoppschildern bis zu gemeinsam erarbeiteten Lösungen – Thomas erzählt uns, wie er und seine Partnerin das Homeoffice inklusive Kinderbetreuung handhaben.

Eine Liste auf dem die Kinder ihre neuen Regeln selber aufgeschrieben haben.

Thomas, erzähl uns kurz, wie die Situation bei dir zuhause aussieht.

Wir haben zwei Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren. Meine Freundin arbeitet auch von zuhause aus, wobei sie 60 Prozent und ich 80 Prozent arbeite. Die Schwierigkeit der Situation liegt darin, die Kinderbetreuung an den Arbeitstagen, an welchen wir beide 100 Prozent arbeiten, aufzuteilen.

«Wir haben unser Schlafzimmer zu einem Büro umfunktioniert.»

Wie ist das Homeoffice heute, verglichen mit der ersten Woche?

Am Anfang waren wir definitiv etwas nervöser und angespannter. Vor allem, weil die Kinder ziemliche «Mami-Höck» sind. Wir haben unser Schlafzimmer zu einem Büro umfunktioniert und dachten, dass die Kinder bestimmt immer wieder ins Büro stürmen, wenn sie arbeitet. Wir haben dann gemerkt, dass das gar kein grosses Problem ist, dafür müssen wir immer wieder neue Beschäftigungen finden, die sie möglichst selbstständig machen können.

Versucht ihr einen fixen Tagesablauf einzuhalten?

Ein fixer Tagesablauf hilft sicher, aber den können wir nicht immer einhalten. Wir frühstücken zusammen, und die Person, die «Arbeiten geht», verabschiedet sich dann von der Familie, bevor sie ins Arbeitszimmer geht. Die Kinder haben auch selber ein grünes und ein rotes Stoppschild gebastelt, damit wir anzeigen können, wann wir in einem wichtigen Call sind und nicht gestört werden dürfen. Wenn das Schild grün ist, dürfen sie reinkommen und Sachen fragen. Das hilft ihnen sehr, die Situation zu verstehen.

Was hast du unterschätzt bezüglich Homeoffice inklusive Kinderbetreuung?

14 Mahlzeiten pro Woche planen! Irgendwann gehen die Ideen aus, und dazu kommt, dass man so selten wie möglich einkaufen möchte, was wiederum heisst, dass man sich Zeit nehmen muss, um alle Mahlzeiten zu planen. Viele Personen haben jetzt mehr Zeit als vorher, bei uns ist es genau umgekehrt. Da sind wir aber sicher nicht die Einzigen.

Gibt es für euch eine Go-To-Lösung, wenn’s mal ausartet?

Eine Lösung gibt es nicht wirklich. Klar kann man die Kinder vor den TV setzen, aber diesen Joker brauchen wir dann, wenn wir beide konzentriert arbeiten müssen. Wenn es wirklich ausartet, muss man die Arbeit kurz unterbrechen, zusammensitzen und zuhören, was passiert ist. Danach kann man gemeinsam eine Lösung finden.

Wie gehen die Kinder mit der Situation um?

Sie merken, dass die momentane Lage nicht einfach ist und sie vermissen den sozialen Kontakt. Wir sind sehr froh, dass die Kinder gerne miteinander spielen und auch selber Beschäftigungen suchen. Meine Tochter hat zum Beispiel entschieden, dass sie für uns an Ostern von A bis Z alles selber kochen möchte. Wir dürfen danebenstehen und ihr sagen, was als nächstes zu machen ist, aber helfen dürfen wir nicht. Da sind wir gespannt und freuen uns darauf.

«Es ist wichtig, dass man mit den Kindern auf Augenhöhe redet, sie ernst nimmt und bei der Planung mitreden lässt.»

Was möchtest du anderen Eltern in dieser Situation mitgeben?

Wir dürfen nicht vergessen, dass es für die Kinder genau so schwierig ist, wie für uns. Sie können nicht mit ihren Freunden spielen und sitzen fast 24h mit der Familie in der Wohnung. Da ist es wichtig, dass man mit den Kindern auf Augenhöhe redet, sie ernst nimmt und bei der Planung mitreden lässt. Wir kamen von unserem Skiurlaub zurück und sind direkt im Homeoffice in die neue Woche gestartet. Da haben wir ein Familien-Meeting einberufen, Punkte besprochen und gemeinsam Lösungen aufgeschrieben. Gute Beispiele sind «wann gibt es Nachtisch? Am Mittag oder am Abend?», «Filme gibt es nur am Dienstagabend» etc. Die Kinder haben dann mitentschieden und alles mit Zeichnungen und Icons festgehalten. Die Liste hängt jetzt auf Kinderhöhe am Kühlschrank.

Weitere Interviews findest du hier.

Entdecke weitere Artikel