Der gläserne Künstler

By Tillman Lambert, 07.06.2016.

Der gläserne Künstler

Das Smartphone kennt seinen Besitzer: die Freunde, die E-Mails vom Chef, seine Fotos, Videos und die Kreditkartennummer. Geheimes und intimes, alles gespeichert. Passwortversiegelt. Florian Meisenberg zeigt anderen Menschen sein Smartphone-Leben. Per Livestream und Großbildschirm.

Florian Meisenberg wurde 1980 in Berlin geboren. Nach seinen Lehrjahren auf der Kunstakademie Düsseldorf lebt er jetzt in New York. Er gewann für seine Werke mehrfach Preise und Förderprogramme, ausgestellt wurden seine Gemälde unter anderem in London, Paris, Sao Paulo und diversen deutschen Städten.

Wer regt sich denn noch über Nackedeis auf? Das wohl allerletzte Tabu der Gegenwart ist die Geheimzahl eines Girokontos. Und so eine kann man auf einem zwei Meter großen Fernseher ablesen, mitten in Frankfurt. Das Konto gehört dem Künstler Florian Meisenberg. Hier in der Schirn Kunsthalle zeigt er im Rahmen der Ausstellung "ICH" zum zeitgenössischen Selbstporträt in einem klinisch weißen, fast haushohen Raum sein Smartphone-Leben per Livestream. Seine E-Mails, seine Fotos, seine Gespräche, jeder sieht und hört alles; auf dem grasgrünen Teppich sitzen manchmal ganze Schulklassen. "Das mit dem Onlinekonto mache ich aber nur, wenn es wirklich sein muss" gesteht er.

Selbstverständlich auch Kunst! Elektronik hat nicht nur Weltraum und Wohnzimmer erobert, sondern auch die Kunstwelt. Und diese zieht ein besonders leidenschaftliches und begeisterungsfähiges Publikum an, auf der Suche nach Qualität und Innovation. Fantastisches Ansehen genießen Museen; stärker noch als Theatern oder Opernhäusern wird ihnen gesellschaftliche Bedeutung und ihren Ausstellungen besondere Qualität zugeschrieben. Das Museum ist damit ein Mikrokosmos der Begegnung von Samsung mit seinen Kunden. Darum fördert Samsung ausgewählte Museen. Die Künstler wiederum können so Projekte umsetzen, die sonst nicht möglich wären. Die Förderkriterien: Die Künstler sollen äußerst kreativ sein. Sie sollen auch als so genannte „Game Changer“ mit ihrer Kunst die ungeschriebenen Spielregeln ihrer Szene nachhaltig ändern. Und die Ausstellung muss durch Technik zu einem erfahrbaren Erlebnis werden. So wird Kunst zum Transporteur von Samsungs technischen Kernkompetenzen. Neben diesem Projekt in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle unterstützt Samsung das Staedel-Museum sowie das Münchener BMW-Museum.

Doch vor allem malt Meisenberg Bilder. Dies hat er an der Kunstakademie in Düsseldorf gelernt, dort studierte er von 2004 bis 2010 in der Klasse von Peter Doig. Selbstverständlich ist die Ausstellung für den Künstler kein Selbstzweck, sondern bietet auch eine historische und eine kulturelle Dimension: Malerei sei eine archaische Ausdrucksform, so Meisenberg. Schon vor Jahrtausenden hätten Menschen in Höhlen ihre Mammutjagd an die Wand gemalt und diese Bilder sind heute weltberühmt. "Malerei kann man fast gleichstellen mit der Existenz des Menschen" folgert er. Ein Bild im Internet dagegen, und jetzt beugt sich der Künstler etwas vor, erfahre kaum Aufmerksamkeit.

Es zerfällt fast im gleichen Moment in dem es online geht. Ursache sei die geringe Aufmerksamkeit des Menschen im Internet. Ölfarben und Smartphones, also das Kunstmedium der Geschichte und das der Moderne, bilden einen markanten Kontrast. "Im Vergleich zu Höhlenmalerei ist ein digitales Bild fast absurd" grübelt Meisenberg. Doch wenn es mal nur die Online-Kunst wäre, die kaum Beachtung erfährt – tatsächlich vernachlässigen Menschen auch existenzielle Dinge wie Gesundheit, Umwelt oder gar ihre Mitmenschen. Und wie sich die Gesellschaft entwickelt, wenn der Popo einer Prominenten ein Millionenpublikum erreicht? Nicht abschätzbar. Der Ölmaler lehnt sich zurück.

Aber er ist zuversichtlich – die Technik hat nämlich auch Vorteile! Und besonders schnell begreifen das junge Menschen. Etwa die 5. Schulklasse, die ein Gruppenfoto in der Ausstellung schoss und es an Meisenberg mailte. Als er es auf seinem Smartphone öffnete, waren die Kinder Teil der Ausstellung. Auch hier gilt: Welche positiven Folgen das für die Gesellschaft hat, ist nicht abschätzbar.

Meisenberg vergisst manchmal, wie transparent er jetzt ist. "Da guckt man sich mal ein Nacktfoto an, und dann fällt mir ein 'Das hat jetzt vielleicht in Frankfurt jemand gesehen". Immerhin für ihn ein größeres Tabu als sein Online-Konto.

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